6. Folgen des Ersten Weltkrieges



Dieser Zeitungsartikel entstand in Zusammenarbeit mit Andrea:

 

 

Morgenzeitung                        8.11.1919

 

KRIEGSENDE - Doch wie geht es jetzt weiter?


Neben den Menschenverlusten, die immens sind: allein 5.950.000 Zivilisten und 8.846.000 Soldaten, gibt es auch sehr hohe materielle Schäden. Nach 4,5 Jahren Dauerbeschuss sind nun große Wohngegenden zerstört. In der USA, die sich langsam wahrscheinlich zu einer Weltmacht entwickelt, gab es keinerlei Produktionsausfälle wie in Frankreich, was bewirkt, dass wir abhängig von ihnen werden. Man bedenke daher diese Produktionsausfälle.

Für diese Schäden sollte Deutschland aufkommen. Doch können wir bei der großen Inflation in Deutschland überhaupt Reichsmark annehmen? Wer weiß, wie viel diese übermorgen noch wert ist. Wäre Land als Ausgleich nicht eine bessere Lösung?

Zudem dankte der deutsche Kaiser ab. An wen sollten wir uns denn wenden, wenn das Land von einem Haufen unentschlossener Leute regiert wird, die sich politisch noch nicht festgelegt haben und nichts hinbekommen? Allerdings dankten nicht nur die Deutschen sondern auch viele weitere Monarchen ab. Auch viele Zivilisten wandern aus   Gebieten  aus, die meisten davon nach Deutschland. Doch man weiß noch nicht,               Frankreich nach der Zerstörung                      wohin mit all den Flüchtlingen.                                                                                                  Aus den besiegten Ländern entstanden viele  neue Länder. Wie zum Beispiel in Österreich-Ungarn, die ein Partner Deutschlands waren, entstanden Tschechoslowakei, Österreich, Ungarn und Jugoslawien.

Entwickelt sich nun in Deutschland eine Anti-Kriegs-Bewegung oder wollen sie Revanche? Wer wird das neue Regierungsoberhaupt? Dies ist eine wichtige Frage für das weitere Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich.

Doch wie es sich nun wirklich entwickelt, werden wir erst innerhalb der nächsten Monate oder auch Jahre erfahren.

 

 

 

 

 


11.11.1918

 

Folgen des Ersten Weltkriegs

 

Der industrialisierte Massenkrieg Krieg ist zu Ende. Die Welt steht politisch und wirtschaftlich vor einem Trümmerhaufen.

 

Heute am 11.11.1918 wurde der Waffenstillstand endlich unterschrieben. Die Waffen schweigen nach vier Jahren Krieg. Frankreich, Großbritannien und die USA, die westlichen Demokratien gehen als Sieger vom Schlachtfeld! Doch der Preis, den gerade wir Franzosen bezahlen ist enorm: 1,3 Millionen Franzosen haben ihr Leben für Frankreich geopfert, die Zahl der Invaliden der psychisch Gestörten ist nochmals um ein Vielfaches höher. Es mag uns ein Trost sein, dass wir dem Feind den Frieden diktieren können, und es muss vor allem sichergestellt werden, dass Deutschland in Zukunft keinen Krieg mehr vom Zaun brechen kann. Eine Schritt in die Richtung Frieden ist getan: der Rücktritt Kaiser Wilhelms II. Haben Wilhelm und seine Offiziersclique im Juli 1914 nach dem Attentat von Sarajewo nicht alle Bemühungen der Briten durch Verhandlungen den Frieden zu wahren ausgeschlagen? Es ist nur gerecht, dass das Schicksal die Deutschen und Österreicher hart trifft. Deutschland muss sämtliche Schäden wieder gutmachen - wenn das überhaupt möglich ist -  , Deutschland muss abrüsten, muss Elsass-Lothringen an Frankreich zurückgeben.  Nach Möglichkeit gilt es den Deutschen die Rohstoffgrundlage zu entziehen. Das kohlereiche Saarland, das hoch industrialisierte Ruhrgebiet müssen wir unter französische Kontrolle bringen.

Auch andere Länder wie Belgien und Dänemark werden Gebietsansprüche stellen, ganz zu schweigen von den Polen, die gerade dabei sind sich aus der russischen Herrschaft loszulösen und einen eigenen Staat zu gründen. Gebietsabtretungen Deutschlands an das neue Polen können nur in unserem Sinne sein. Alles was Deutschland schwächt, stärkt Frankreich. Wir werden die neuen Staaten, die auf dem Boden der zusammengebrochenen Monarchien entstehen werden, unterstützen und nach Möglichkeit durch Bündnisse schützen: Polen, Tschechoslowakei, Ungarn. Alles was Deutschland und Österreich schwächt, ist in unserem Sinne. Leider sehen vor allem die USA das anders. Als neue Weltmacht weit weg von Europa unterschätzen sie die Deutschen. Sie haben weniger Angst vor einem erstarkenden Deutschland und werden unsere Ansprüche zurückzudrängen versuchen. Hier gilt es bei den anstehenden Friedensverhandlungen Überzeugungsarbeit zu leisten. Unsere Sorgen und unser Misstrauen sind mit Blick auf Deutschland nur allzu berechtigt. Die Friedensbewegung ist schwach, und die auf Revanche sinnenden Organisationen erfreuen sich großen Zulaufs. Umso dringlicher ist es, Deutschland so zu schwächen, dass es keinen Schaden in der Welt mehr anrichten kann.

 

Fiktiver Artikel aus französischer Sicht (J.Gienger)