10.7 Widerstand


Kommunisten

Nachdem Hitler die KPD verbot, formieren sich die Kommunisten in kleinere Gruppen um Flugblätter und ähnliches zu verteilen. Manche Parteifunktionäre fliehen ins Ausland und agieren aus dem „Exil“ heraus.

 

SPD

Da eine gemeinsame Widerstandsfront zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten unmöglich war, weil die Differenzen unüberbrückbar waren, versuchten sie letztendlich ein Kompromiss mit Hitler zu finden, der jedoch scheitert. Einige fliehen ins Ausland, der Rest kann untertauchen und im Untergrund agieren.

 

Widerstehen aus evangelischen Gründen

1933 schließen sich evangelische Geistliche zum „Pfarrer-Notbund“ zusammen

Widerstand aus katholischen Gründen
Die Katholiken waren gegen die Gleichschaltung der katholischen Verbände, die Zensur der kirchlichen Presse, die Behinderung der katholischen Erziehung in den Schulen und gegen die Überwachung von Geistlichen. Außerdem waren sie schockiert, als Hitler 1939 alle Geisteskranken umbringen lässt.
Hunderte von Geistlichen wurden wegen dem Widerstand umgebracht.

Widerstehen aus liberalem und konservativem Denken
Nur wenige taten etwas gegen den NS-Staat, obwohl sie dagegen waren. In der Regel gab es nur kritische Gespräche unter gleichgesinnten.  Einzelne Anhänger des politischen Katholizismus stellten sich für den Umsturzversuch des 20.Juli 1944 zur Verfügung und wurden deshalb von den Nationalsozialisten zum Tode verurteilt.

Attentatversuche
Lange Zeit vor dem Anschlag des 20. Juli 1944 planen Gegner des nationalsozialistischen Regimes Hitler zu töten. Insgesamt sind über 40 solcher Versuche bekannt. Die meisten scheitern an den strengen Sicherheitsmaßnahmen und an technischen Schwierigkeiten.

Umsturzbestrebungen bis 1943
General Ludwig Beck versuchte zuerst auf die militärischen Entscheidungsprozesse einzuwirken
und die nationalsozialistische Rüstungspolitik in andere Bahnen zu lenken. Als er aber erkannte, dass dies nichts brachte, sammelte er militärische und zivile Gegner des Nationalsozialismus um sich.
Henning von Treschow will Hitler wie einen toten Hund abschießen und plant 1941 an der Ostfront ein Attentat auf ihn.
Nach dem 20. Juli 1944 wählt Tresckow, angesichts der bevorstehenden Verhaftung, den Freitod an der Front.

Der Kreisauer Kreis
Ziel der Kreisauer ist es, Grundzüge einer geistigen, politischen und sozialen Neuordnung nach dem Ende des nationalsozialistischen Regimes zu erarbeiten. Durch Tagungen, Gespräche und Denkschriften wollen sie sich auf die Zeit danach vorbereiten.

Innenpolitische Pläne der Verschwörer des 20. Juli 1944
Die Widerstandskämpfer wollen mit ihrem Anschlag auf Hitler die nationale Katastrophe des Deutschen Reiches verhindern und den längst verlorenen Krieg so schnell wie möglich beenden.

Das Attentat und der Umsturz vom 20. Juli 1944
Claus Schenk Graf von Stauffenberg erkannte während des Krieges den verbrecherischen Charakter der nationalsozialistischen Politik. Nach einer schweren Verwundung, wird er im September 1943 als Stabschef in das allgemeine Heeresamt versetzt. Er zählt zum engsten Kreis der entschlossenen Gegner des Regimes. Als 1943 wiederholt Attentatspläne scheitern und schließlich im Sommer 1944 enge Mitverschwörer verhaftet werden, entschließt sich Stauffenberg Anfang Juli 1944 selbst den Anschlag auf Hitler zu wagen.
Am 20. Juli 1944 gelingt es ihm, ein Sprengstoffpaket in das scharf bewachte Führerhauptquartier Wolfsschanze in Ostpreußen einzuschleusen und zu zünden. Danach fliegt Stauffenberg nach Berlin zurück und wird noch in der gleichen Nacht, nach dem Scheitern des Umsturzversuches, im Hof des Bendlerblocks zusammen mit seinen Mitverschwörern erschossen.

Die Rote Kapelle
Schon in den frühen 30er Jahren bilden sich um den Berliner Oberregierungsrat Arvid Harnack und den Mitarbeiter des Reichsluftfahrtministeriums Harro Schulze-Boysen Widerstandskreise, denen sich im Laufe der Jahre mehr als 100 Gegner des Nationalsozialismus ganz unterschiedlicher sozialer Herkunft und weltanschaulicher Traditionen anschließen. Ca. 50 der Mitglieder wurden letztendlich ermordet.

Die Weiße Rose
Die Weiße Rose bestand aus Studenten, die gegen den Nationalsozialismus waren und Flugblätter verteilten. Unter anderem Sophie Scholl und ihr Bruder sind dadurch ziemlich bekannt geworden. Die meisten der Weißen Rose wurden allerdings der Gestapo übergeben und zum Tode verurteilt.

Jugendopposition
Innerhalb weniger Monate nach Hitlers Machtübernahme werden fast alle freien und bündischen Jugendverbände verboten, zur Selbstauflösung gezwungen oder gleich geschaltet.
Seit Mai 1938 ist die Mitgliedschaft im deutschen Jungvolk, dem Bund deutscher Mädel oder der Hitler Jugend für alle Schulkinder und Jugendlichen gesetzlich vorgeschrieben. An vielen Orten entstehen neue Cliquen, Blasen oder Horden, die unmittelbare Auseinandersetzungen mit Angehörigen der Hitler Jugend suchen. Nur wenige können das Regime aktiv politisch bekämpfen. Viele gelten bald als Verwahrloste oder Gemeinschaftsschädlinge. Sie werden in Arbeits- oder Konzentrationslager verschleppt, andere von Gerichten zum Tode verurteilt oder ohne jedes Verfahren ermordet.

Widerstand der Juden
1933 lebten in Deutschland ca. 500.000 Juden. Die meisten von ihnen sind vollständig in die deutsche Gesellschaft integriert. Ab 1941 versuchen die Nationalsozialisten die Endlösung der Judenfrage durch den millionenfachen Mord an den Juden Europas zu verwirklichen.
Immer wieder lehnen sich unmittelbar bedrohte Juden gegen die nationalsozialistischen Verbrechen auf. Einige versuchen unterzutauchen und so den Massenerschießungen der deutschen Einsatzgruppen und den Gaskammern zu entkommen.



Wort-wörtlich aus der CD Medialesson (ausführlicher):

Komunisten

Viele Kommunisten setzen nach dem Verbot der KPD den Widerstand gegen Hitler fort. Sie finden sich in kleineren Gruppen zusammen, verteilen Flugblätter und illegales Material, suchen neue Verbindungen und unterstützen die Familien von Gefangenen. Die meisten Mitglieder der Parteiführung fliehen ins Ausland, um von dort aus den Widerstand in Deutschland zu koordinieren. Die versteckt in Deutschland lebenden Parteifunktionäre werden fast alle verhaftet. Der Parteivorsitzende Ernst Thälman bleibt bis zu seiner Ermordung 1944 inhaftiert. Sein Nachfolger, John Schehr, wird Anfang 1934 ermordet. Kommunistische Funktionäre, die 1939 und 1940 aus den Konzentrationslagern entlassen werden, bauen neue Widerstandsgruppen auf. So entstehen unter der Führung von Robert Uhrig und später von Anton Saefkow in Berlin, unter der Leitung von Theodor Neubauer in Mitteldeutschland und um Bernhard Bästlein in Hamburg große Widerstandsorganisationen. Eine weitere ist um Wilhelm Knöchel im Ruhrgebiet aktiv. Diese Organisationen verteilen Flugblätter und Druckschriften, versuchen vor allem aber in den Betrieben Mitkämpfer zu gewinnen. Immer wieder schleust die Gestapo Spitzel ein und kann so viele kommunistische Gruppen zerschlagen.

 

SPD

Bereits vor 1933 setzen sich Kommunisten, Sozialisten, Sozialdemokraten und Gewerkschaftsmitglieder gegen die Ideen und Ziele Hitlers zur Wehr. Eine gemeinsame Abwehrfront der Arbeiterbewegung kommt jedoch nicht zustande, weil die Gegensätze zwischen Kommunisten und Sozialdemokraten unüberbrückbar bleiben. Die Gewerkschaftsführung sucht zuletzt sogar einen Kompromiss mit der Regierung Hitler. Viele Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter werden sofort nach der nationalsozialistischen Machtübernahme verfolgt und verhaftet. Einigen gelingt die Flucht ins Ausland, wo sie den Kampf gegen die Hitler Diktatur fortsetzen. In Prag formiert sich ein sozialdemokratischer Exilvorstand. Andere SPD- Mitglieder im Reich tauchen unter und können in der Illegalität regionale Parteizirkel und Gesinnungsgemeinschaften aufbauen. Wandparolen, Flugblätter und Broschüren bestimmen zunächst das Gesicht des sozialdemokratischen Widerstandes. Führende Sozialdemokraten wie Wilhelm Leuschner und Herrmann Maas beeinflussen später die Neuordnungsvorstellungen der Verschwörer des 20. Juli 1944 oder gehören wie Julius Leber und Adolf Reichwein zu den führenden Köpfen des Kreisauer Kreises.

 

Widerstand aus evangelischen Gründen

Bereits in den letzten Jahren der Weimarer Zeit entsteht eine innerkirchliche Strömung mit dem Ziel die nationalsozialistische Ideologie mit dem Evangelium in Einklang zu bringen. Einzelne Geistliche und Gemeindemitglieder widersetzen sich jedoch im Herbst 1933 den Zielen dieser deutschen Christen. Sie berufen sich auf die Autorität der Heiligen Schrift und der reformatorischen Bekenntnisse und schließen sich 1933 zum Pfarrer-Notbund und zur bekennenden Kirche zusammen. Ihr gemeinsames Ziel ist es, den Führungsanspruch der Nationalsozialisten gegenüber der evangelischen Kirche und den Arierparagraphen in der Kirche abzuweisen. Wortführer des Kirchenkampfes werden, wie Martin Niemöller 1937, verhaftet und in Konzentrationslager eingewiesen. Nach der Ermordung des Pfarrers Paul Schneider erkennen viele evangelische Regimegegner mit welcher Brutalität die Nationalsozialisten ihre Drohungen verwirklichen. Einer der wichtigsten Wortführer des Protestantismus wird nach 1939 der württembergische Landesbischof Theophil Wurm, der offen gegen die Ermordung Geisteskranker Einspruch erhebt. Der Theologe Dietrich Bonhoeffer beteiligt sich aktiv an der Konspiration, die mit dem 20. Juli 1944 endet. Auch er wird ermordet.

 

Widerstand aus katholischen Glauben

Viele Katholiken stehen den neuen Machthabern distanziert gegenüber. Mit dem Konkordat zwischen dem Deutschen Reich und dem Vatikan gelingt es Hitler, die meisten katholischen Bischöfe für seine Politik einzunehmen. Als die Nationalsozialisten das Konkordat jedoch zielbewusst verletzen, fühlen sich einzelne Bischöfe und Geistliche zur Verteidigung ihrer Kirche aufgerufen. Gemeinsam mit standhaften Gemeindemitgliedern setzen sie sich gegen die Gleichschaltung der katholischen Verbände, die Zensur der kirchlichen Presse, die Behinderung der katholischen Erziehung in den Schulen und gegen die Überwachung von Geistlichen zur Wehr. Hitlers Befehl zur Ermordung Geisteskranker vom Herbst 1939 stößt bei vielen Bischöfen, Geistlichen und Gläubigen auf offenen und öffentlichen Widerspruch. Bischof Konrad Graf von Preysing und Bischof Clemens August Graf von Galen werden zu den Wortführern des entschiedenen kirchlichen Protestes. Während des Krieges werden hunderte von Geistlichen in Konzentrationslagern und Gefängnissen gefangen gehalten, andere mit Predigtverboten belegt oder unter Hausarrest gestellt. Einzelne wie Bernhard Lichtenberg kommen in der Haft um oder werden wie Alfred Delp nach einem Urteil des Volksgerichtshofes ermordet.

 

Widerstehen aus liberalem und konservativem Denken

Angesicht der Unterdrückung der Arbeiterbewegung und der Auseinandersetzung des NS Staates mit den Kirchen bleibt der größte Teil des deutschen Bürgertums unentschieden oder unterstützt Hitler sogar begeistert. Nur wenige Angehörige des liberal oder konservativ eingestellten Bürgertums distanzieren sich von den Mitteln und Zielen nationalsozialistischer Politik. Nur wenige treten in offene und aktive Gegnerschaft zu Hitler. In der Regel beschränken sie sich auf das kritische Gespräch unter gleichgesinnten. Einige schließen sich wie Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg und Ewald von Kleist-Schmenzin später den Gruppen des 20. Juli 1944 an. Zentren der politischen Opposition aus den Traditionen des politischen Katholizismus entstehen im Rheinland, in München und in Berlin. Nach Kriegsbeginn verstärkt sich der Wunsch auf christlicher Grundlage die Konturen einer Nachkriegsordnung zu bestimmen. Wesentlich tragen hierzu die Kreise um christliche Gewerkschafter wie Heinrich Körner, Heinrich Imbusch und Jakob Kaiser bei. Einzelne Anhänger des politischen Katholizismus wie Josef Wirmer, Nikolaus Groß, Bernhard Letterhaus und Eugen Bolz stellen sich für den Umsturzversuch des 20. Juli 1944 zur Verfügung und werden deshalb von den Nationalsozialisten zum Tode verurteilt.

 

Attentatsversuche

Lange Zeit vor dem Anschlag des 20. Juli 1944 planen Gegner des nationalsozialistischen Regimes Hitler zu töten. Insgesamt sind über 40 solcher Versuche bekannt. Die meisten scheitern an den strengen Sicherheitsmaßnahmen und an technischen Schwierigkeiten. Hitler wird von einer Leibwache scharf bewacht, die Beschaffung von Sprengstoff und Zündern ist schwierig, die Handhabung der Sprengkörper ist unsicher. Nach dem deutschen Überfall auf Polen kommt jedoch der Attentäter Georg Elser seinem Ziel sehr nahe. Er kann am 8. November 1939 im Münchner Bürgerbräukeller eine selbstgebaute Zeitbombe zünden. Bis Ende 1944 wird Elser als Sonderhäftling im Konzentrationslager Sachsenhausen gefangen gehalten, Anfang 1945 aber nach Dachau verlegt und dort am 9. April 1945 ermordet. Später können nur wenige derjenigen, die zum Attentat bereit sind, in die unmittelbaren Nähe Hitlers gelangen. Sie wollen sich schließlich wie Axel Freiherr von dem Bussche gemeinsam mit dem verhassten Diktator in die Luft sprengen. Aber auch dieses Vorhaben misslingt ebenso wie andere Versuche Rudolf Freiherr von Gersdorffs oder Henning von Tresckow.

 

Umsturzbestrebungen bis 1943

Im Mittelpunkt der Militäropposition steht der Generalstabschef des Heeres, General Ludwig Beck. Er versucht zunächst auf die militärischen Entscheidungsprozesse einzuwirken und die nationalsozialistische Rüstungspolitik in andere Bahnen zu lenken. Als er jedoch seine Einflusslosigkeit erkennt, entschließt er sich zum Sturz der nationalsozialistischen Führung als der einzigen Möglichkeit drohendes Unheil abzuwenden. Es gelingt Beck, einzelne Offiziere für seine Pläne zu gewinnen. Auch nach seinem Ausscheiden aus dem Dienst, am 18. August 1938, sammelt er weiterhin militärische und zivile Gegner des Nationalsozialismus um sich. In ständiger Abstimmung mit Carl Friedrich Goerdeler, dem führenden Kopf der zivilen Widerstandskreise, versuchen Beck und Generalfeldmarschall Erwin von Witzleben die vielfältigen Ziele und Motive des Widerstands auf die gemeinsame Tat zu lenken. Eine führende Stellung unter den oppositionellen Offizieren kommt auch Henning von Tresckow zu. Er will Hitler wie einen tollen Hund abschießen und plant 1941 an der Ostfront ein Attentat auf ihn. Nach dem 20. Juli 1944 wählt Tresckow, angesicht der bevorstehenden Verhaftung, den Freitod an der Front.

 

Der Kreisauer Kreis

Seit 1940 finden sich in Berlin auf dem schlesischen Gut Kreisau und in München Gesprächsgruppen oppositionell gesehnter Männer und Frauen aus unterschiedlichen sozialen Schichten und weltanschaulichen Traditionen zusammen. Geistiger Mittelpunkt sind die Freunde Helmuth James Graf von Moltke und Peter Graf York von Wartenburg. Ziel der Kreisauer ist es, Grundzüge einer geistigen, politischen und sozialen Neuordnung nach dem Ende des nationalsozialistischen Regimes zu erarbeiten. Durch Tagungen, Gespräche und Denkschriften wollen sie sich auf die Zeit danach vorbereiten. Seit 1943 sind verschiedene Mitglieder des Kreisauer Kreises entschlossen, die Verschwörung gegen Hitler zu unterstützen. Sie suchen engen Kontakt zu entschiedenen Gegnern des NS-Staates wie Ludwig Beck, Carl Friedrich Goerdeler, Ulrich von Hassell und Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Wegen dieser Verbindungen werden die meisten Mitglieder des Kreisauer Kreises nach dem 20. Juli 1944 als Mitverschwörer des Umsturzversuches angeklagt und zum Tode verurteilt. Nur wenige Kreisauer können ihr Leben retten und später die Nachkriegsordnung mitprägen.

 

Innenpolitische Pläne der Verschwörer des 20. Juli 1944

Die Widerstandskämpfer wollen mit ihrem Anschlag auf Hitler die nationale Katastrophe des Deutschen Reiches verhindern und den längst verlorenen Krieg so schnell wie möglich beenden. Durch die Beseitigung des Diktators und seines verbrecherischen Regimes soll aus eigener Kraft ein Zeichen des anderen Deutschland gesetzt werden. Zu jeder Zeit haben sich die Gegner Hitlers über ihre unterschiedlichen außen- und innenpolitischen Zielvorstellungen verständigen müssen. Die Debatten und Gespräche spiegeln die unterschiedlichen Traditionen politischen Denkens, die bereits die Auseinandersetzungen in der Weimarer Republik geprägt haben. Die innenpolitischen Zielvorstellungen der Gegner Hitlers orientieren sich am Leitbild des Bürgers in einem Rechtsstaat, der sich auf die Grundsätze der Glaubens- und Gewissensfreiheit und der Toleranz gegenüber anders Denkenden stützt. Außenpolitisch soll Deutschland über die eigenen territorialen Interessen hinaus, im Rahmen einer europäischen Konföderation, eine besondere Verpflichtung für Frieden und politische Stabilität in Europa übernehmen. Ihre gemeinsamen Grundüberzeugungen helfen den Widerstandskämpfern politische Meinungsverschiedenheiten zu überwinden. In der einmütigen Gegnerschaft zum nationalsozialistischen Unrechtsstaat überschreiten sie die engen Grenzen des obrigkeitsstaatlichen Denkens und des außenpolitischen Hegemonialstrebens. Aus dem Geist des Widerstands entsteht so ein Gegenbild zum totalitären Dritten Reich, das viele Widerstandskämpfer später auch vor den Schranken des Volksgerichtshofes verteidigen. Sie treten für die Menschenwürde als höchsten politischen Grundwert ein und bestreiten dem Staat das Recht, über Leben und Gewissen seiner Bürger zu verfügen.

 

Das Attentat und der Umsturz vom 20. Juli 1944

Während des Krieges durschaut Claus Schenk Graf von Stauffenberg den verbrecherischen Charakter der nationalsozialistischen Politik. Nur allmählich jedoch kann er sich aus der Faszination lösen, welche die militärischen Erfolge Hitlers bei ihm bewirken. Nach einer schweren Verwundung, bei der er ein Auge, die ganze rechte Hand und Finger der linken verliert, wird Stauffenberg im September 1943 als Stabschef in das allgemeine Heeresamt versetzt. Zu diesem Zeitpunkt zählt er zum engsten Kreis der entschlossenen Gegner des Regimes. Sein neuer Vorgesetzter wird General Friedrich Olbricht, der seit 1938 eine treibende Kraft der militärischen Umsturzbemühungen ist. Olbricht weiht Stauffenberg in seine Umsturzpläne ein und bringt ihm mit Ludwig Beck und Carl Friedrich Goerdeler zusammen. Als 1943 wiederholt Attentatspläne scheitern und schließlich im Sommer 1944 enge Mitverschwörer wie Adolf Reichwein und Julius Leber verhaftet werden, entschließt sich Stauffenberg Anfang Juli 1944 selbst den Anschlag auf Hitler zu wagen. Am 20. Juli 1944 gelingt es ihm, ein Sprengstoffpaket in das scharf bewachte Führerhauptquartier Wolfsschanze in Ostpreußen einzuschleusen und zu zünden. Danach fliegt Stauffenberg nach Berlin zurück und wird noch in der gleichen Nacht, nach dem Scheitern des Umsturzversuches, im Hof des Bendlerblocks zusammen mit seinen Mitverschwörern erschossen.

 

Die Rote Kapelle

Schon in den frühen 30er Jahren bilden sich um den Berliner Oberregierungsrat Arvid Harnack und den Mitarbeiter des Reichsluftfahrtministeriums Harro Schulze-Boysen Widerstandskreise, denen sich im Laufe der Jahre mehr als 100 Gegner des Nationalsozialismus ganz unterschiedlicher sozialer Herkunft und weltanschaulicher Traditionen anschließen. Die Methoden ihres Kampfes gegen den Nationalsozialismus sind vielfältig. Über ihren Kreis hinaus greifend wenden sie sich an die Öffentlichkeit, verbreiten Flugblätter und Klebezettel und nehmen schließlich Kontakte zu Gleichgesinnten in anderen Teilen Deutschlands auf. 1940/41 geben sie auch militärisch wichtige Nachrichten an die Sowjetunion weiter, verstärken vor allem aber ihre Aufklärungsarbeit mit Flugschriften und Briefen. Im Sommer 1942 deckt die Gestapo die Widerstandsorganisation um Harnack und Schulze-Boysen auf und ermittelt gegen sie unter dem Sammelnamen „Rote Kapelle“. Sie will diese Widerstandsorganisation vor allem als eine Spionageorganisation der Sowjetunion beurteilt wissen. Ende 1942 fällt das Reichskriegsgericht die ersten Todesurteile. Insgesamt werden mehr als 50 Mitglieder der Gruppe ermordet.

 

Die Weiße Rose

An der Münchner Universität findet sich im Frühjahr 1942 um die Geschwister Hans und Sophie Scholl eine Gruppe von Studenten zusammen, die der totalen Vereinnahmung durch den Nationalsozialismus entgegentreten und so ihre geistige Unabhängigkeit bewahren wollen. Entscheidend werden diese Studenten durch den Hochschullehrer Kurt Huber geprägt. Als sie im Wintersemester 1942/43 mit ihm Grundfragen der politischen Ordnung diskutieren, hat die Schlacht um Stalingrad ihren Höhepunkt erreicht. Unter dem Eindruck der sinnlosen Leiden und Opfer des Krieges gegen die Sowjetunion rufen sie mit Wandparolen und Flugblättern zum passiven Widerstand gegen Hitlers verbrecherische Kriegsführung auf. Auch in Hamburg bildet sich eine Gruppe, die Kontakte zur Münchner Weißen Rose hat. Unter dem Eindruck der Niederlage von Stalingrad werfen Hans und Sophie Scholl am 18. Februar 1943 hunderte von Flugblättern in den Lichthof der Münchner Universität. Sie werden von einem Hausmeister gestellt und der Gestapo übergeben. Zusammen mit Christoph Probst werden sie bereits wenige Tage später vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und ermordet. Weitere Mitglieder der Weißen Rose werden im Frühjahr 1943 verhaftet und zum Tode verurteilt. Die nationalsozialistischen Machthaber werten den ethisch begründeten Appell der Weißen Rose an das Gewissen als politisches Schwerverbrechen. Im Herbst 1943 wird auch die Hamburger Gruppe von der Gestapo zerschlagen.

 

Jugendopposition

Nach Hitlers Machtübernahme am 30. Januar 1933 soll die Hitler Jugend auch die zersplitterten bündischen Bestrebungen zusammenfassen und eine gemeinsame staatliche Organisation bilden. Innerhalb weniger Monate werden fast alle freien und bündischen Jugendverbände verboten, zur Selbstauflösung gezwungen oder gleich geschaltet. Seit Mai 1938 ist die Mitgliedschaft im deutschen Jungvolk, dem Bund deutscher Mädel oder der Hitler Jugend für alle Schulkinder und Jugendlichen gesetzlich vorgeschrieben. Während des Krieges verschärfen die Nationalsozialisten die Verfolgung von Jugendlichen, die ihr Recht auf Unabhängigkeit und Selbstbestimmung außerhalb der Hitler Jugend verteidigen wollen. An vielen Orten entstehen neue Cliquen, Blasen oder Horden, die unmittelbare Auseinandersetzungen mit Angehörigen der Hitler Jugend suchen. Ihr Auftreten gilt als Widerstand, obwohl nur wenige Jugendliche das Regime aktiv politisch bekämpfen können. Viele von ihnen gelten bald als Verwahrloste oder Gemeinschaftsschädlinge. Sie werden in Arbeits- oder Konzentrationslager verschleppt, andere von Gerichten zum Tode verurteilt oder ohne jedes Verfahren ermordet.

 

Widerstand der Juden

Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kommen, leben in Deutschland etwa 500.000 Juden. Die meisten von ihnen sind in die deutsche Gesellschaft vollständig integriert. Unter dem Einfluss der antisemitischen Propaganda und der Boykottaktion vom 1. April 1933 entsteht bei ihnen aber auch ein neues Selbstbewusstsein. Sie wollen sich gegen Entrechtung und Diffamierung, Verfolgung und Gefährdung im Alltag behaupten. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist die geistige Selbstbehauptung im jüdischen Kulturbund, in den jüdischen Sportverbänden und in anderen Organisationen. Ab 1941 versuchen die Nationalsozialisten die Endlösung der Judenfrage durch den millionenfachen Mord an den Juden Europas zu verwirklichen. Immer wieder lehnen sich unmittelbar bedrohte Juden gegen die nationalsozialistischen Verbrechen auf. Einige versuchen unterzutauchen und so den Massenerschießungen der deutschen Einsatzgruppen und den Gaskammern zu entkommen. Der Kampf im Warschauer Ghetto im Frühjahr 1943 ist ein verzweifelter Versuch sich nicht wie Schafe zur Schlachtbank führen zu lassen. Die Aufstände in den Vernichtungslagern Auschwitz Birkenau, Treblinka und Sobibor sind ebenso Teil dieses Widerstandes wie der Kampf in Partisanenverbänden.


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